Kastration beim Hund – Indikationen unter dem Blickwinkel des Tierschutzgesetzes


Die Kastration von männlichen und weiblichen Tieren ist ein tierärztlicher Eingriff, der nicht nur wegen seiner tierärztlichen Notwendigkeit sondern auch wegen seiner Rechtmäßigkeit diskutiert wird. Nur unter gewissen Ausnahmen erlaubt das deutsche Tierschutzgesetz die Amputation von Körperteilen, sowie die teilweise oder vollständige Entnahme von Organen und Gewebe bei Tieren. Drei Ausnahmeregelungen legimitieren die Kastration beim Hund:

·         wenn der Eingriff nach tierärztlicher Indikation gegeben ist;

-          Bei Hündinnen ist eine Kastration indiziert z.B. bei Eierstockzysten, Tumoren, Gebärmuttererkrankungen u. a.

-          Bei Rüden liegt die Indikation z.B. bei Hodentumoren, Kryptorchismus und Prostataerkrankungen vor.

·                     -    Verhinderung unkontrollierter Fortpflanzung

·                     -    Wenn eine Unfruchtbarmachung dazu dient, die weitere Nutzung oder Haltung des Tieres zu ermöglichen und soweit keine tierärztlichen Bedenken dem entgegenstehen

Bei Hündinnen ist eine prophylaktische Entfernung der Eierstöcke bzw. der Eierstöcke und Gebärmutter mit Ergebnissen von Studien begründet, die zeigen, dass das Risiko an Gesäugetumoren bei unkastrierten Hündinnen höher ist als bei kastrierten Tieren.

Bei Rüden hingegen ist der Hauptgrund einer Kastration hauptsächlich ein testosteronabhängiges Verhalten wie z.B. Urinmarkieren, starker Sexualtrieb, ständige Unruhe, Jaulen, wenn eine läufige Hündin in der weiteren Nachbarschaft ist, Gruppenhaltung, aggressives Konkurrenzverhalten und übertriebenes Imponiergehabe. Eine eventuelle Verhaltensänderung des Rüden kann aber auch durch eine chemische Kastration mit Antiandrogenen imitiert werden.

Bei Hündinnen ist eine Kastration aus Verhaltensgründen wesentlich seltener gegeben, ja z.T. sogar kontraindiziert wie z.B. bei erhöhter Aggressivität. Deshalb sind nur 2% der Indikationen für eine Kastration bei Verhaltensproblemen gegeben. Lediglich Verhaltensweisen, die direkt  mit der Läufigkeit oder anschließender Scheinträchtigkeit in Verbindung stehen, können durch eine Kastration sicher beeinflusst werden.

Für Tierhalter und Tierarzt ist es wichtig, Risiken und Nutzen solcher Eingriffe gut abzuwägen. Die Risiken beziehen sich nämlich nicht nur auf die üblichen Narkose- und Operationsrisiken wie Kreislaufversagen, Blutungen, Entzündungen und Wundheilungsstörungen, sondern auch auf den Langzeiteffekt. Hier stehen  vor allem Harninkontinenz, starkes Übergewicht, Haar- und Wesensveränderungen im Vordergrund. Auch der Zeitpunkt der Kastration, der unter Fachkollegen stark diskutiert wird, spielt eine Rolle. Untersuchungen weisen darauf hin, dass das relative Risiko, an einem Mammatumor zu erkranken, bei unkastrierten Hündinnen größer ist als bei kastrierten Tieren. Am geringsten sei das Risiko bei einer Kastration vor der ersten Läufigkeit. Hier wiederum steigt das Risiko für das Auftreten von Adipositas, Verhaltensänderungen und auch gestörter Körperentwicklung.

FAZIT:   Rechtlich unumstritten ist die Kastration zur Therapie, wenn bereits Erkrankungen bestehen. Zweifelhaft ist die Kastration als Präventionsmaßnahme.  Jede Kastration erfordert eine Einzelfallprüfung. Vor- und Nachteile für das Tier und den Halter müssen abgewogen werden.

 

Quelle: Möbius, Die Kastration beim Hund-Indikationen unter dem Blickwinkel des Tierschutzgesetzes, Enke Verlag